Aktienanleihen

Diese Form ist relativ neu auf dem Kapitalmarkt und zählt zu den sogenannten Finanzinnovationen. Diese Inhaberschuldverschreibungen weisen meist eine recht hohe Verzinsung auf, bergen auch ein gewisses Risiko in sich. Dieses neuartige Produkt ist folgendermaßen konstruiert.

Der Anleger erwirbt eine Inhaberschuldverschreibung mit einer recht hohen Verzinsung. Dieser Inhaberschuldverschreibungen ist noch eine bestimmte Aktie mit einem bestimmten Basispreis (ähnlich wie bei einer Option) zugrunde gelegt. Ist der Aktienkurs der zugrundegelegten Aktie am Tag der Fälligkeit der Inhaberschuldverschreibung über dem Basispreis erfolgt eine Rückzahlung der Inhaberschuldverschreibung zum Nominalwert. Ist der Aktienkurs unter dem festgelegten Basispreis, dann werden die Aktien zu dem Basispreis zugeteilt. Hier erleidet der Anleger einen Verlust aus diesem Geschäft, sofern er die Aktien am gleichen Tag verkaufen würde. Den Zins kassiert er als eine Art Prämie immer – egal, welche Konstellation eintritt.

Beispiel
• Inhaberschuldverschreibung mit nominal EUR 10.000,— = 100%
Zugrundegelegte Aktie: Siemens AG
Basispreis der Aktie: EUR 50,—
Laufzeit: 1 Jahr
Verzinsung: 12,50% p.a.
Aktueller Kurs der Siemens Aktie: EUR 60,—
Aktueller Kurs der Anleihe: 98,00%

Wenn Siemens am Verfalltag unter EUR 50,— ist bekommt der Anleger für nominal 10.000 EUR 200 Siemens-Aktien zugeteilt für EUR 50,—. Wenn Siemens am Verfalltag (in einem Jahr) über EUR 50,— ist, bekommt er die Anleihe zu 100% zurückgezahlt und hat eine überdurchschnittliche Verzinsung bekommen.

Man setzt also mit der beschriebenen Finanzinnovation auf gleichbleibende bzw. leicht steigende Aktienkurse. Dahinter steckt nichts anderes wie ein Termingeschäft, eine Option. Es handelt sich in diesem Falle um den Verkauf einer Verkaufsoption (Short Put). Die Verzinsung ist nichts anderes als die Optionsprämie, die jedoch die Bank, welche die Inhaberschuldverschreibung emittiert nicht ganz, sondern nur zum Teil weitergibt (Abschlag in der Verzinsung, ca. 2 – 4%). Vorteil gegenüber einer Option an der EUREX ist, dass man hier keine Margin hinterlegen muss, sondern dass die Einzahlung in die Inhaberschuldverschreibung die Sicherheitsleistung darstellt.

Der Kurs dieser Anleihe wird daher weniger vom aktuellen Zinsniveau beeinflusst, sonder vom aktuellen Kurs der Siemens-Aktie. Dabei ist immer zu erfragen, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Siemens am Ende der Laufzeit unter EUR 50,— steht. Zur genauen Verdeutlichung sollen drei Situationen dargestellt werden:

1. Siemens in einem Monat bei 70,— EUR
Kurs der Anleihe bei 101% - die Wahrscheinlichkeit, dass Siemens unter EUR 50,— fällt wird als sehr gering angesehen. Die Rendite des Anlegers ist sogar niedriger als die Verzinsung.

2. Siemens in einem Monat bei 55,— EUR
Kurs der Anleihe bei 98% - die Wahrscheinlichkeit, dass Siemens unter EUR 50,— wird als höher angesehen als im ersten Fall. Die Rendite kann im Fall einer Rückzahlung der Anleihe durch Kursgewinne sogar höher als die Verzinsung ausfallen.

3. Siemens in einem Monat bei 45,— EUR
Kurs der Anleihe bei 92% - die Wahrscheinlichkeit, dass Siemens unter 50,— EUR bleibt ist hier sehr hoch. Die Rendite wird im Falle eines Kursanstieges über EUR 50,— am Verfalltag deutlich erhöht.

Ausgehend von der Verzinsung können Break-even Kurse errechnet werden, d.h. ab welchem Aktienkurs unter EUR 50,— erhält der Kunde im Falle der Zuteilung der Siemens-Aktie keine Verzinsung mehr, also frisst der Kursverfall die gute Verzinsung auf.


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