Währungsanleihen

Unter Währungsanleihen versteht man Anleihen, die nicht in EURO, sondern in fremder Währung begeben und getilgt werden. Zusätzlich zu den oben genannten Risiken tritt noch das Währungsrisiko hinzu:

Mit dem Kauf einer Währungsanleihe ist der Anleger also noch ein Währungsrisiko eingegangen. Ein Wertverlust kann die Folge von einem fallenden Währungskurs sein. Zum Beispiel haben 1996/97 viele Anleger Anleihen in Tschechischen Kronen wegen einer hohen Nominalverzinsung gezeichnet (ca. 12% p.a.). Eine Rendite von 12% p.a. ließ sich allerdings nicht erzielen, da eine Abwertung der Tschechischen Krone in Kauf genommen werden musste. Bei einem Währungsverlust von 12% innerhalb eines Jahres hätte also der Anleger gar keine Verzinsung, darüber sogar einen Verlust zu verbuchen. Bei sog. kursgesicherten Währungsanleihen kann das Währungsrisiko durch ein bei der Emission festgelegtes Umrechnungsverhältnis ausgeschaltet werden.

Die Emission kann von einem Emittenten in dessen Heimatland und dessen Währung erfolgen, aber auch von jedem anderen beliebigen Land aus.


Beispiele
Der aktuelle Wechselkurs für einen USD zu einem EUR beträgt am 01.07. des Jahres 01 1,00 Euro. Zu diesem Zeitpunkt kauft folgende USD-Anleihe:

Emittent: Daimler Chrysler
Laufzeit: 01.07. des Jahres 04 (3 Jahre)
Ausgabekurs: 100%
Zinskupon: 5,00% p.a.
Rendite: 5,00% p.a.
Nominal: 50.000 USD
Wechselkurs: 1,00 ¤ = 50.000 EUR


1) Die Anleihe ist am 01.07. des Jahres 04 fällig und wird vom Emittent zu 100% zurückgezahlt. Der EURO ist auf 1,12 ¤ gestiegen. Wie hoch ist die Gesamtrendite der Anleihe?

Lösung: 9,00% p.a.. Der Dollar ist in 3 Jahren um 12% gestiegen, ergibt 4,00% p.a. Diese werden zu den Zinszahlungen (5,00% p.a.) hinzuaddiert. Voraussetzung für dieses Modell ist allerdings, dass der Anleger zum Kaufzeitpunkt EUR ins USD getauscht hat und bei Fälligkeit USD in EUR zurücktauscht.


2) Die Anleihe ist am 01.07. des Jahres 04 fällig und wird vom Emittent zu 100% zurückgezahlt. Der EURO ist auf 0,91 ¤ gefallen. Wie hoch ist die Gesamtrendite der Anleihe?

Lösung: 2,00% p.a.. Der Dollar ist in 3 Jahren um 9% gestiegen, ergibt 3,00% p.a. Diese werden zu den Zinszahlungen (3,00% p.a.) subtrahiert. Voraussetzung für dieses Modell ist allerdings, dass der Anleger zum Kaufzeitpunkt EUR ins USD getauscht hat und bei Fälligkeit USD in EUR zurücktauscht. Unterhält Hermann Maier ein Währungskonto bei der Bank, dann hätte er die Möglichkeit der Rückzahlung in USD und könnte eine Wiederanlage in USD tätigen und auf bessere Euro-Kurs hoffen / warten.


Doppelwährungsanleihe
Wie der Name schon sagt, sind in der Konstruktion der Anleihe zwei Währungen beteiligt. Die Anleihe wird in der Währung A begeben - meist werden in dieser Währung A auch die Zinsen gezahlt. Die Tilgung erfolgt dann in der Währung B zu einem bei der Emission festgesetztem Basiskurs.

Der Anleger begibt sich in die Zinsniveaus beider Währungen. Je mehr die Anleihe zur Fälligkeit hin tendiert, desto stärker ist die Währungskomponente im Kurs ausgeprägt. Der Anleger geht damit bewusst das Währungsrisiko ein.

Emittenten sind bei solchen Anleihen häufig Industrieunternehmen, die damit bestimmte Investitionen finanzieren. Problem kann die Marktgängigkeit der Anleihe oder das Bonitätsrisiko sein.


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